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Einfach nur Ruhe

Eine Standortbestimmung

Ich sitze hier auf einer Parkbank. Spielende Kinder. Alles ist irgendwie unwirklich. Müdigkeit überkommt mich. Langsam fasse ich in die Seitentasche meines Wintermantels um mein altes Moleskine herauszuholen. Der passende Bleistift findet sich schnell und sogleich beginnt die Hand wie automatisch mit letzter Kraft zu schreiben:

Es gibt Texte die deutlich einfacher zu schreiben sind, nicht weil das Thema so komplex ist, nein daran liegt es eher weniger. Vielmehr ist es die innere Kraft die es braucht bestimmte Wörter zu finden um seine aktuelle Situation einmal genauer zu definieren. Viele würden es als eine Art Standortbestimmung definieren, ich sehe darin eher die Einsicht endlich über etwas zu schreiben was ich unbewusst verdrängt habe.

Vielleicht sollte ich etwas weiter ausholen, der geneigte Leser wird merken, wohl doch nicht so einfaches Thema. Es ist eben ein sehr persönliches und nicht gerne in der Öffentlichkeit breitgetretenes Thema. Da ich aber durch Auftritte in der Öffentlichkeit, in verschiedenen Social Media Kanälen und an anderen Stellen, zur öffentlichen Person definiert wurde, bleibt es nicht aus das ganze in Worte, in diesem Fall in Buchstaben, zu fassen.

Alles fing damit an, wie auch bei vielen anderen Personen, einer grossen Vision nachzugehen die man in sich trägt. Eben Dinge die einen so stark beschäftigen das man sein Handeln danach ausrichtet. Man ist mit ganzem Herzblut, wie es so schön im Volksmund heisst, bei der Sache. Man geht darin auf und geniesst die Zeit die man darin verbringen kann und darf. Und dann passiert es, erst langsam und dann immer schneller. Eine Art innere Müdigkeit, geschuldet durch die eigene Antriebskraft, durch äussere Einflüsse und/oder andere Probleme. Man steuert unweigerlich, der eine früher der andere später, in ein mediales und persönliches Burnout.

Ich kenne diese Phase sehr gut, da es mir bisher schon zwei mal passiert ist und ich vorher Dank meiner Familie und noch vorhandenen Rest-antrieb rechtzeitig den Hebel umlegen konnte. Und so dachte ich auch dieses mal. Dank meiner lieben Frau merkte ich, das ich diesmal zu lange gewartet habe. Eine Besserung stellte sich nach dem üblichen warten nicht ein. Aussitzen ist halt nicht immer die beste Wahl. Durch andere Umstände, diesmal mit einer eigenen Firma unterwegs und nicht wie früher im Angestelltenverhältnis, musste also eine Lösung her. Deshalb entschied ich mich nach einem langen inneren Kampf den Weg zu meinem Hausarzt an zu treten. Er kennt mich sehr gut, kennt meine Geschichte und ich hoffe auf Besserung. Eben um wie der Artikel es aussagt, einfach Ruhe, einfach seine eigene innere Ruhe wiederzufinden.

Mir ist dabei klar das ich all meine grossen und kleinen Projekte nach den Start der ärztlichen Behandlung auf Eis legen muss. Denn nur durch die Konzentration auf das eigentliche Ziel wird es möglich in Zukunft wieder ein guter Vater und Ehemann zu sein. Nächste Woche ist es dann soweit. Am Donnerstag habe ich meine erste Sitzung bei meinem Arzt des Vertrauens. Der Lichtblick für die aktuell so innerliche Leere, selbst wen viele denken das man mir nichts anmerkt. Es ist schmerzhafter als jede Nierenstein Behandlung die ich damals im Jahre 2012 hatte. Es ist ein anderer Schmerz den man nicht beschreiben kann. Nur jemand der sowas schon mal erlebt hat, kann mitfühlen und weiss wie es mir im Moment gerade geht. Ich will damit nicht hausieren, doch mir ist es wichtig mit so einem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich kenne sehr viele Menschen denen es genau so wie mir ergangen ist, nur wurde diese Phase ihres Lebens nach aussen hin totgeschwiegen. In der heutigen Zeit des Computers, das Internet mit all seinem Stress, eine Krankheit, ein Zustand der jeden früher oder später treffen könnte. Deshalb Vorsicht mit dem Eifer, es kann auch dich treffen.

Ich merke wie meine Hand plötzlich kraftloser wird, der Drang Worte auf das Papier zu bringen beginnt zu schwinden. Es ist Zeit das gute alte Moleskine zu schliessen und wieder in meiner Tasche zu versorgen. Langsam stehe ich von der winterlichen Parkbank auf und ein Bild macht sich in meinem Kopf breit. Ein weites Land irgendwo wo es warm ist. Ruhe strahlt dieses Bild aus. Ängstlich trete ich meine Reise an,…